Sonntag, 5. März 2017

Die Theorieprüfung

Die Vorbereitung

An einem Samstagvormittag sitzen alle PPL Aspiranten unserer Flugschule pünktlich um 10:00 Uhr im Schulungsraum in Berlin-Lichtenberg.
Das Fach Navigation steht auf dem Plan, zu diesem Zeitpunkt die dritte Theoriestunde.

Unser Lehrer Ralph  begrüßt uns kurz und verkündet uns die frohe Botschaft, dass sich ab 01.10.2016 der PPL Prüfungsfragenkatalog ändern wird.
Jedes Fach bekommt nur noch 16 Fragen, 14 davon werden aber nur im Vorab bekannt sein, die anderen vier Fragen sind unbekannt.
Die große Navigations - und Flugplanungsaufgabe wird wegfallen, die Menge der Fragen halbiert sich knapp.

Jetzt brach eine hitzige Diskussion aus, was besser ist.
  • Entweder sind alle Fragen bekannt, dafür sind das knapp 2040 Fragen plus die große Navigations - und Flugplanungsaufgabe.

  • Oder nur noch knapp die Hälfte an Fragen, keine große Navigations - und Flugplanungsaufgabe, dafür aber nur 75% des gesamten Fragenkatlogs bekannt.

Die Entscheidung fiel allen sichtlich schwer, aber wie sich ziemlich zeitnah herausstellte, haben es auch nur zwei von acht Aspiranten noch vor dem 01.10.2016 zeitlich geschafft die theoretische Prüfung nach dem alten Katalog abzulegen und zu bestehen.

Ich konnte diesen engen Zeitplan so leider nicht einhalten.
Mir blieb somit nichts Anderes übrig, als zu den neuen Bedingungen geprüft zu werden.
Der neue Prüfungskatalog war als PDF Datei für alle Fächer auf der Internetseite der Landesluftfahrtbehörde Berlin/Brandenburg zu finden.

Während des Lernens stellte ich schnell fest, dass sich das Lernen mit Papier ziemlich schwierig gestaltet, zumal alle richtigen Antworten bereits angekreuzt waren.
Ich startete im Internet die Suche nach einer geeigneten Software, welche dem Schüler die Fragen wie bei der richtigen Prüfung als Multiple-Choice stellt, und wurde schnell auf der Seite von aircademy.com fündig.

Perfekt dachte ich, die Fragen waren 1:1 implementiert und das Training konnte beginnen.
Viel Lernen und Rechnen, sowie das Verstehen von Lösungswegen und Zusammenhängen, bestimmte fortan meinen Alltag.
Nach ca. 16 Tagen intensivem Trainings war ich soweit, ich legte bei meiner Flugschule die interne theoretische Vorprüfung ab und wurde im Anschluss bei der Landesluftfahrtbehörde Berlin/Brandenburg zur theoretischen Prüfung gemeldet.


Tag der Wahrheit - Die theoretische Prüfung

Am 08.11.2016 war es soweit, die Theorieprüfung stand an und ich war merklich angespannt.
In Gedanken hatte ich ständig die Frage, was wohl die unbekannten Fragen sein werden und ob und wie ich Diese lösen werde.

Um 08:40 Uhr traf ich dann im Vorraum der Landesluftfahrtbehörde Berlin/Brandenburg unweit des Flughafens Berlin-Schönefeld (EDDB/SXF) ein, drei weitere Prüflinge gesellten sich zu mir, die letzten Fragen wurden geklärt.
Dann kam der Prüfungsleiter auf uns zu und bat uns ihm zu folgen, die Personalausweise bereit zu halten und anschließend im Prüfungsraum platz zunehmen.
Gesagt, getan.
Plötzlich saßen alle an ihrem Arbeitsplatz und richteten ihren Platz mit den zulässigen Hilfsmitteln ein.
Der Mechanische Navigationsrechner, ein Bleistift, ein nicht programmierbarer Taschenrechner, ein Kursdreieck und ein Lineal waren zulässig.
Schmierpapier für persönliche Notizen wurde durch die Prüfungsbehörde gestellt.

Nach gründlicher Aufklärung durch den Prüfungsleiter über mögliche Konsequenzen eines Betrugsversuches und den Hinweis, den Raum erst zu verlassen, wenn ein Prüfungsfach beendet wurde, durften wir uns am PC anmelden.
Die gesamte Bearbeitungszeit belief sich auf 256 Minuten, also vier Stunden und 16 Minuten.
Wow dachte ich, das wird ein langer Vormittag.

Dann begann das Klicken der Fragen, ich begann mit Kommunikation und menschlichem Leistungsvermögen (Jeweils nur acht Fragen pro Fach), die Fächer lagen mir und waren schnell bearbeitet.
Auch die unbekannten Fragen waren ziemlich einfach.
Weiter ging es mit Meteorologie, Luftrecht, Grundlagen des Fliegens, Betriebliche Verfahren, allgemeine Luftfahrzeugkunde, Flugleistung und Flugplanung und zum Schluss das schwerste Fach Navigation mit jeweils 16 Fragen dazu.
Es klickte sich eigentlich ziemlich einfach durch den gesamten Katalog, ich war positiv überrascht.
Auch die unbekannten Fragen waren sehr fair gestellt und für Kandidaten, die sich gut vorbereitet haben, gar keine Hürde.
Nur bei Flugleistung und Flugplanung gab es einen Punkt, der mich störte.
Die Leistungsdiagramme lagen als DIN A4 aus, aber foliert.
Somit war ein genaues Einzeichnen der vorgegebenen Parameter nicht möglich.
Da die Lösungsvorschläge stellenweise sehr nah beieinanderlagen, konnte doch mehr schief gehen, als gedacht.

Ich war trotz guter Vorbereitung relativ nervös und bereits nach knapp 01:45 Stunden mit der gesamten Prüfung fertig.
Oha dachte ich, habe ich etwas übersehen oder warum bin ich so schnell mit der Prüfung fertig?
Egal dachte ich, besser wird es jetzt auch nicht mehr und in die Bearbeitungsmaske komme ich jetzt eh nicht mehr rein.
Das heißt im Klartext, DIE PRÜFUNG WAR ERLEDIGT.

Ich bin zum Prüfungsleiter gegangen und teilte ihm dies mit.
Er fragte nach meinem Namen und hatte binnen Sekunden das Prüfungsergebnis auf dem Bildschirm.

"Ja Herr Heise, herzlichen Glückwunsch, Sie haben bestanden."

Wir gingen die einzelnen Prüfungsfächer durch, ich konnte ein solide Leistung ablesen.
Nur bei dem Fach Flugleistung und Flugplanung war ich wie erwartet enttäuscht.
Wie in meiner Niederschrift zu sehen ist, war das doch relativ knapp mit 76,5%, womit ich ziemlich unzufrieden war.
Mit den Ergebnissen der anderen Fächer war ich aber zufrieden.


Er händigte mir das Ergebnis aus, welches ich unterschreiben sollte, dass ich das Ergebnis anerkenne.
Anschließend händigte er mir ein Duplikat aus, welches ich bei der Flugschule vorlegen konnte.

Ergebnis Theorieprüfung

Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Privatpilotenlizenz war erfolgreich geschafft.

Nun folgen Flugstunden, bei denen besonders die Funk-, Koppel- und Kleinnavigation geübt werden.
Anschließend darf man mit einem Flugauftrag durch den Fluglehrer auf die ersten Alleinüberlandflüge, wovon mindestens fünf Stunden im überwachten Alleinflug stattfinden müssen.

Weitere Informationen erhaltet ihr in dem Post Der erste Alleinüberlandflug.

Euer Jérôme

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